Eine Leseprobe:

 

Dienstag, 15. Februar 2022

 

 

Natalya Yavorenko hatte es zur Gewohnheit werden lassen, die frisch gewaschene Wäsche ihres Sohns Michail und ihrer Mutter stets am frühen Abend im Wohnzimmer ihrer Dreieinhalbzimmerwohnung vor dem Fernseher zu bügeln, so dass sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden konnte. Zudem erleichterte die Ablenkung, die ihr das Fernsehen bot, die mühselige Arbeit, zwei bedrohlich wirkende Berge von Kleidern, ungeordnet in gelben Plastikkörben aufgetürmt, in drei geordnete Stapel glattgebügelter Wäsche zu verwandeln. Während Michail, der vor einem Monat seinen siebten Geburtstag gefeiert hatte, in der kleinen Kammer neben dem Schlafzimmer seiner Mutter mit Dmytro, einem gleichaltrigen Nachbarkind aus der vierten Etage, mit ihren Nintendo-U-Booten Schiffe versenkten, schaute Natalya gespannt auf die hübsche und fürs Fernsehen perfekt gestylte Nachrichtensprecherin des so beliebten Fernsehsenders ICTV. Als der im Scheinwerferlicht strahlendhelle Konferenzraum des Moskauer Kremls eingeblendet wurde und ihr spärlich beleuchtetes, dreißig Quadratmeter großes Wohnzimmer in ein gleißendes Weiß eintauchte, wusste Natalya nicht, ob das Licht der Scheinwerfer oder der überdimensionale weißlackierte Konferenztisch ihre Augen für einen kurzen Augenblick blendeten, so dass sie sich beinah ihren linken Daumen beim Geraderichten des auf dem Bügelbrett ausgebreiteten Sweatshirts am heißen Bügeleisen angesenkt hätte. Erleichtert, ihre Hand noch schnell aus der Gefahrenzone des Bügeleisens zurückgezogen zu haben, starrte Natalya ungläubig auf die Szene, die in ihrer Absurdität in Nichts zu überbieten war. Sie unterbrach das sanfte Hingleiten des Bügeleisens über das blaue Sweatshirt ihres Sohns und stellte es für einen kurzen Augenblick hochkant, um die Nachrichten ungestört zu verfolgen. Nein! Niemals! Wäre sie in die Rolle des deutschen Bundeskanzlers geschlüpft, sie hätte sich geweigert, sich diesem bizarren Bild, das in die Welt hinausging, auszusetzen. Nichts hätte die Distanz zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz deutlicher widerspiegeln können als diese phantasmagorisch inszenierte Sitzordnung am ovalen Konferenztisch, wo sich zwei Politiker aus einer Entfernung von geschätzten sechs Metern um die Zukunft der Ukraine unterhielten. Wäre die Situation nicht so ernst und wäre ihr nicht bewusst, über welche brutale Macht Putin verfügte, sie hätte am liebsten laut losgelacht. Wie klein die beiden Gegenübersitzenden am mächtigen Tisch doch wirkten. Es hattes etwas Karikatureskes. Doch falscher Stolz war angesichts der Ernsthaftigkeit der politischen Situation nicht angebracht, dachte Natalya, so dass sie die verzweifelten Bemühungen des deutschen Bundeskanzlers, einen drohenden Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu verhindern, bewunderte.  Der Kommentar des Fernsehreporters zu den verstörenden Bildern aus dem Kreml endete mit einem Zitat des russischen Präsidenten: „Wir sind bereit, den Weg der Verhandlungen zu gehen. Wir wollen keinen Krieg in Europa.“

„Glaubst Du das?“, fragte Natalya ihre Mutter, die es sich auf der Couch bequem gemacht hatte und mit ebenso bangem Interesse die Nachrichten verfolgte. Seit drei Jahren lebte ihre Mutter nach dem plötzlichen und unerwarteten Tod ihres Ehemanns vor fünf Jahren nun schon bei ihrer Tochter, was trotz der Enge, was ihre Wohnsituation betraf, auch Vorteile aufwies. Oleksandra Petrenko kümmerte sich aufopferungsvoll um ihren nun schon siebenjährigen Enkel. Die Mithilfe ihrer Mutter im Haushalt und in der Betreuung ihres Sohns erleichterte Natalya als alleinerziehende Mutter, ihrer Arbeit als Exportsachbearbeiterin einer international agierenden Kabelfirma, die Kabelbäume für die Autoindustrie herstellte, ungehindert nachzugehen. Obwohl die Arbeit im Haushalt der Tochter Oleksandra manchmal überforderte, schließlich ging sie im Alter von sechsundfünfzig Jahren immer noch einer anstrengenden Arbeit im nahegelegenen Supermarkt nach, gab ihr das gemeinsame Leben im Haushalt ihrer Tochter das sichere Gefühl, nicht im späteren Alter in Einsamkeit zu enden.

            Und doch verspürte sie eine beklemmende Angst, aus dieser vertrauten Gemeinsamkeit in wenigen Wochen herausgerissen zu werden, was nicht so sehr in den Unwägbarkeiten der gegenwärtigen politischen Situation begründet war. Sie war sicher, ihre Tochter und ihren Enkel in wenigen Wochen zu verlieren. Allein zurückgelassen in der kleinen Wohnung, die für sie dann viel zu groß war, würden ihr nur die Familienbilder zur Erinnerung bleiben.  Und ob ihre Tochter sie mit ihrem Sohn jemals wieder besuchen würde, war ebenso ungewiss wie die Antwort auf die Frage, ob ein Krieg noch zu verhindern war. Oleksandra ließ ihre Sorgen und ihr seelisches Leid ihrer Tochter nicht spüren. Sie wollte nicht zu einer Belastung werden, wenn der Zeitpunkt zum Abschied kommen würde. Und so hatte sie es sich zu eigen gemacht, die hin und wieder aufkommenden negativen Gedanken zu verdrängen und ihr Augenmerk auf das Positive im gegenwärtigen Zusammenleben mit ihrer Tochter und ihrem Enkel zu richten. Vielleicht würde doch noch alles anders kommen.

            Von ihrer Tochter angesprochen, gab Oleksandra ihre bequeme Position auf der Couch auf, setzte sich aufrecht, weil sie dieses Thema mit grauenvollen Unbehagen erfüllte. „Wenn er keinen Krieg will, warum hat er dann über hunderttausend Soldaten und all diese Panzer entlang unserer Grenze aufgestellt? Das frage ich dich, Natalya.“

„Glaubst du wirklich, es gibt Krieg?“, fragte Natalya sorgenvoll und warf einen kurzen Blick in die Kammer, in der Michail und Dmytro unbekümmert von den Sorgen der Erwachsenen ihrem Spiel nachgingen. Beruhigt ergriff Natalya das Bügeleisen, um nun die restliche Bügelwäsche in Angriff zu nehmen.

„Putin sagt das eine und tut das andere. Der deutsche Kanzler tut mir nur leid“, sagte Oleksandra, die nun aufgestanden war, um auf das Klingeln an der Wohnungstür zu reagieren. Drei Nachbarn auf der gleichen Etage im achten Stock des im stalinistischen Stil errichteten Plattenbaus standen vor der Tür und baten um Einlass, den Oleksandra ihnen breitwillig gewährte.

„Habt ihr die Nachrichten auf ICTV verfolgt?“, fragte Yelyzaveta Kowalewa aufgeregt und setzte sich unaufgefordert auf die erste Couch, die gerade genug Platz für zwei Gäste bot.

„Das haben wir“, erwiderte Natalya, nun ihr Bügelbrett zusammenfaltend, um es in der kleinen Kammer unterzubringen.

„Ich glaube ihm nicht“, sagte Ulyana Kusmyna, die älteste von den drei Besuchern, „der lügt doch nur, wo er kann.“ Sie suchte nach einem Platz zu sitzen und akzeptierte das Angebot Yelyzavetas, neben ihr auf der Zweiercouch Platz zu nehmen.

„Mama, ich habe Hunger“, klagte Michail, der nun zusammen mit Dmytro, von den aufgeregten Stimmen der Nachbarn angezogen, aus der Kammer kam.

„Ich werde euch beiden gleich etwas zu essen machen“, versprach Natalya den Kindern, was Maria Malynka, eine große kräftige Frau im mittleren Alter und die Dritte im Bund der Besucher veranlasste, den Kindern ein Angebot zu unterbreiten, das sie nicht ausschlagen konnten.

„Ich habe noch viel von dem Borschtsch übrig, die ich aufwärmen kann. Mit ein paar Scheiben frischem Brot ist das doch bestimmt ein gutes Abendessen, was meint ihr?“

Ohne auf eine Antwort zu warten, hatte Maria die Wohnungstür bereits mit großem Schwung aufgerissen und war voller Tatendrang auf den Flur hinausgestürmt. In der kleinen Gemeinschaft der Nachbarn im achten Stock half man sich gerne gegenseitig. War Ulyana Kusmyna aufgrund ihres doch schon recht hohen Alters von neunundsechzig Jahren das Einkaufen zu beschwerlich, so fand sich immer jemand bereit, der die Einkäufe für sie übernahm. Und wenn weder Natalya oder ihre Mutter aufgrund unerwarteter beruflicher Verpflichtungen Zeit hatten, Michail zu betreuen, so war es kein Problem, Michail für eine bestimmte Zeit von Ulyana Kusmyna beaufsichtigen zu lassen, die Gefallen daran gefunden hatte, Michail stets mit kleinen Geschenken zu verwöhnen, weil ihre Ehe kinderlos geblieben war. Besonders zu Maria Malynka ging Michail gerne, die immer etwas Leckeres zum Essen für ihn bereitstellte. Und so konnte keiner der beiden Jungen das Angebot einer heißen Suppe an diesem Abend ausschlagen, denn sie wussten, dass sie gut schmecken würde. Und Hunger hatten sie allemal.

            „Ich verstehe nur nicht“, ergriff Natalyas Mutter das Wort, nachdem sie alle im Wohnzimmer Platz genommen hatten, „was wir getan haben, dass uns Putin so hasst und bereit ist, einen Krieg gegen unser Land anzuzetteln.“

„Es ist Putins Sehnsucht nach vergangener Größe“, sagte Yelyzaveta, die sich noch gut an den Zusammenbruch der Sowjetunion von nunmehr einunddreißig Jahren erinnern konnte, „für ihn existiert die Ukraine nicht als ein eigener, souveräner Staat.“ Yelyzavetas Anstellung bei der Wernadskyi Nationalbibliothek in Kiew gab ihren Worten stets eine gewisse Autorität, galt sie doch unter den Nachbarn als eine gebildete, belesene Frau, die wusste, was in der Welt vor sich ging.

„Das stimmt“, empörte sich Ulyana, „er spricht uns Ukrainern das Recht der Selbstbestimmung ab. Der Zusammenbruch der Sowjetunion ist ein Stachel im Fleisch Putins. Ich sehe noch die Bilder vor mir. Jelzin, Krawtschuk und Schuschkewitsch hielten das Dokument hoch, das das Ende der UdSSR besiegelte, und die sowjetische Flagge über dem Kreml wurde eingeholt. Damals war ich achtunddreißig und ich wusste nicht, wie es weitergehen würde in einer unabhängigen Ukraine.“

„Und Gorbatschow trat als Präsident zurück“, fügte Natalyas Mutter hinzu und ergänzte wehmütig, „ich weiß nicht, warum Perestroika und Glasnost gescheitert sind.“

„Wie dem auch sei, Putin hasst uns, weil wir Janukowitsch vertrieben, haben“, griff Yelyzaveta das eigentliche Thema wieder auf, „ist er nicht mit einem Koffer voller Geld abgehauen? Die Orange Revolution vor nunmehr beinah achtzehn Jahren und letztendlich der Maidan-Aufstand vor acht Jahren, auch wenn er gewalttätig war, beendete den Autoritarismus der prorussischen Regierung Janukowitsch und ebnete den Weg zu einer freien, demokratischen und pro-europäischen Ukraine.“

„Jawoll“

Alle stimmten ihrer Nachbarin kopfnickend zu und bewunderten sie zugleich für ihre eindringliche Rhetorik.

„Und Putin fürchtet, dass diese westlichen Ideen in sein Russland hinüberschwappen werden“, ergänzte Natalya die Ausführungen Yelyzavetas.

„Sehr richtig. Und deshalb will er uns vernichten“, sagte Ulyana traurig. Sie spürte plötzlich die aufkommende Angst, die sich wie eine Schlinge um ihren Hals legte. Sollte sie wirklich noch in ihrem Alter mit ihrem Mann, der fünf Jahre älter war, vor den anstürmenden Russen fliehen müssen? Hatten sich nicht schon russische Truppen in Belarus aufgestellt, um von dort aus auf Kiew vorzudringen? Die Krim war schon annektiert. Im Donbass wurde nun schon seit acht Jahren gekämpft.  Putin als Beschützer der Russen.  Dort, wo Russen lebten, erhob Putin einen Machtanspruch. Wo sollten sie in ihrem Alter noch hin? Besorgt schaute Ulyana auf ihre Uhr. Sie sollte ihren Mann nicht zu lange allein lassen, der es vorgezogen hatte, Kurkovs Roman Der Milchmann in der Nacht in der gemütlichen, stillen Wohnung zu Ende zu lesen. Wer wusste schon, ob sich jemals wieder die Gelegenheit für eine Lektüre ergeben würde.

            Für einen Augenblick saßen sie stumm im Wohnzimmer und gingen, jeder für sich, ihren Gedanken nach. Natalya unterbrach die gedankenvolle Stille, indem sie eine Flasche Krim-Rotwein zur Freude aller aus der Küche holte und fünf Weingläser auf dem Tisch verteilte. Auch wenn es sicherlich keinen Anlass für einen geselligen Abend gab, wollte Natalya ihre Gäste nicht auf dem Trockenen sitzen lassen, zumal man nicht wissen konnte, wann sich wieder eine Gelegenheit für einen gemeinsamen Umtrunk ergeben würde. Und als Maria Malynka mit einer großen Schüssel dampfenden Borschtsch die Wohnung betrat, wurde für jedermann klar, dass die heiße Suppe auch noch für jeweils einen Teller für sie alle ausreichen würde. Und so hätte ein Beobachter der friedlichen Harmonie unter den Nachbarn beinah von einer heiteren Stimmung reden können, wenn nicht die Ungewissheit über die bedrohliche, angsterfüllende Zukunft auf den Seelen der Menschen lastete.

 

 

 

 

Emilia Galottis Wundersame Rettung (erschienen Juni 2022)

 

Jeder Literaturbegeisterte kennt Emilia Galotti aus dem gleichnamigen bürgerlichen Trauerspiel von Gotthold Ephraim Lessing, die von ihrem eigenen und vom Tugendwahn besessenen Vater Odoardo erdolcht wird, um nicht als Mätresse des notgeilen Prinzen Hettore Gonzaga zu enden. Eine kleine Gruppe mit dem Namen Die Retter der Literaturopfer begibt sich am 13. März 2019 auf eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert, um die zum absoluten Gehorsam erzogene Emilia vor ihrem Vater zu retten. Doch sterben muss Emilia auch, schließlich muss die Uraufführung zur Feier des Geburtstags der Herzoginmutter in Braunschweig und zur Ehre Lessings am 13. März 1772 stattfinden. Ein einzigartiger, verrückt-genialer Roman mit einem überraschenden Ausgang, der auf skurrile Weise die Grenzen zwischen den Genren Dramatik und Epik auflöst.

 

Eine Leseprobe:

Ein eisigkalter Wind fegte über die Pinienhaine des herrschaftlichen Landguts Odoardo Galottis. Auf einer Anhöhe liegend, die den weiten Blick auf die majestätischen Stadtmauern der vier Kilometer entfernten Renaissancestadt Sabbioneta freigab, gefror der Wind zu Eiskristallen, die dem Rasen und den sorgsam geschnittenen Hecken des großzügig angelegten Gartens ein silbrig glänzendes Kleid anlegten. Die ersten Schneeflocken, noch spärlich gestreut, tanzten frohlockend in kreisenden Bewegungen, im Wind auf und ab hüpfend, gemächlich vom Himmel hinab, als freuten sie sich auf das baldige Ereignis, das im Haus Odoardos stattfinden würde.

 

            Odoardo fehlte jeglicher Sinn für die Schönheit der einsetzenden Winterlandschaft, als er sich vom Fenster seines Wohnzimmers abwendete, um sich, unruhig auf die Wanduhr schauend, in seinen Ohrensessel zu setzen. Ein Angestellter seines Landgutes hatte neues Holz im Kamin aufgelegt, das friedlich im Feuer knisterte. Obwohl es behaglich warm im Zimmer war, fröstelte Odoardo. Das gepresste qualvolle Stöhnen aus dem Schlafgemach seiner Frau Claudia, das hin und wieder von lauten Schmerzensschreien übertönt wurde, machte es für ihn unmöglich, eine entspannte Haltung im bequemen Sessel einzunehmen. Zudem gaben die knappen, aber lauten Befehle der Frau Scaleri Odoardo keinen Anlass, sich einer gewissen Sorglosigkeit hinzugeben. Ganz im Gegenteil. Die Aufforderungen der Hebamme, das Ausatmen nicht zu vergessen und weiter zu pressen, trugen zu einer panikartigen Nervosität bei, die auch dem Arzt Balderi nicht entgangen war, den Odoardo vorsichtshalber aus Sabbioneta hatte kommen lassen, um alle Eventualitäten bei der Geburt des ersten Kindes auszuschließen, schließlich waren ihm die Gefahren für seine Frau Claudia, die mit der Geburt eines Kindes einhergingen, durchaus bewusst.  Etwaige Komplikationen wie eine drohende Steiß- oder eine Fußgeburt würden Frau Scaleri überfordern und auf Grund dessen die Kunst eines Arztes mit chirurgischen Kenntnissen erfordern. Mit bangen Blicken schaute Odoardo unentwegt auf die braune und von den unzähligen Einsätzen verbeulte Ledertasche des Arztes. Er hoffte inständig, dass Balderi nicht genötigt würde, die Tasche zu öffnen, um das Todeswerkzeug für einen Einsatz bei seiner Frau hervorzuholen. Odoardo wusste für einen Augenblick nicht, ob die erneuten Schmerzensschreie seiner geliebten Frau ihn erschauern ließen oder der Gedanke an den Einsatz der Geburtszange, die seine Frau retten, aber das Kind töten würde. In einer emotionslosen Sachlichkeit, wie es von einem Wissenschaftler zu erwarten war, hatte Balderi Odoardo über die nützlichen Vorteile der Geburtszange informiert.   Bei Komplikationen während der Geburt stand die Rettung der Gebärenden im Vordergrund. Mit Hilfe dieses neuen Instrumentes, so hatte Balderi im stolzen Ton eines dem Volk im Wissen überlegenen Wissenschaftlers erklärt, wird der noch formbare Schädel des Kindes mittels der Zange zerquetscht, um das tote Kind anschließend   herauszuziehen. Da keine wirkungsvollen Betäubungsmittel zu Verfügung standen, mochte sich Odoardo die Qualen nicht vorstellen, die Claudia bei dieser Operation erleiden würde. Vornübergebeugt faltete Odoardo seine Hände zum Gebet.

 

 

 

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“

 

           

 

 Nun war es für den Arzt an der Zeit, sich von seinem Stuhl zu erheben, um seine Hand tröstend auf Odoardos Schulter zu legen.

 

„Beruhigen Sie sich, Galotti, es wird schon gutgehen. Mit Gottes Hilfe werden Sie Vater eines gesunden Kindes werden.“

 

„Ich hoffe, es wird ein Sohn“.

 

„Ich verstehe“, sagte Balderi verständnisvoll, „er soll Ihr Landgut übernehmen und die durchaus erfolgreiche Vieh – und Pferdezucht weiterführen.“

 

Odoardo Galotti war ein angesehener Pferdezüchter, der besonders mit dem Verkauf seiner Pferde an den Adel weit über die Lombardei hinaus einen guten Ruf erhalten und ein kleines, bescheidenes Vermögen erarbeitet hatte. Das vierhundert Quadratmeter große Landhaus mit seinen sechs Zimmern und zwei Bädern zeugte besonders auf Grund des repräsentativen Eingangsbereich, wo im großzügig angelegten Foyer zwei gebogene Treppen links und rechts zu den oberen Räumen führten, von dem kaufmännischen Erfolg Galottis, dessen Stolz darin begründet war, dass er es allein durch Fleiß, harte Arbeit und durch jeglichen Verzicht auf Annehmlichkeiten und Zerstreuungen im Leben zu etwas gebracht hatte. Alkohol und Tabak waren ihm genauso verpönt wie der Besuch von Theateraufführungen, Konzerten und, was viel schlimmer war, der Besuch einer Vegghia. Galotti hasste diese Abendgesellschaften. Geschminkte, gepuderte, perückentragende und parfümierte Männer in glockig geschnittenen Justaucorps, die in ihrer aufgesetzten Affektiertheit und Selbstzufriedenheit Klatsch und Tratsch untereinander verbreiteten und sich somit nicht vom plappernden Frauengeschwätz der anwesenden weiblichen Gesellschaft unterschieden. Diese wiederum zeichneten sich besonders darin aus, sich in der Vegghia gegenseitig in ihrer neuesten Mode auszustechen. Kleider von Goldbrokat, besetzt mit Silberspitzen waren das Nonplusultra, was zur Folge hatte, dass die Trägerin des Kleides unverhohlener neidischer Blicke ausgesetzt war, vor allem dann, wenn sie zusätzlich mit kostbaren Edelsteinen verziert waren. Eingezwängt in Schnürleibern, galt es am Abend auch die Frage zu beantworten, wer denn unter den weiblichen Gästen über die schmalste Taille verfügte. Galotti missfiel dieser ganze Pomp, doch einer Einladung zu einer Vegghia seitens des Adels, was zugleich einer Erlaubnis gleichkam, als Bürgerlicher an einer gesellschaftlichen Veranstaltung des Adels teilzunehmen, konnte sich Galotti schwerlich widersetzen. Die Aufträge, die er während der Abendgesellschaft für die Lieferung neuer Pferde erhielt, waren für ihn lebenswichtig. Und so ging er ganz entgegen seinen Gewohnheiten zu den verhassten Vegghias, auch wenn sie im vierundzwanzig Kilometer entfernten Guastalla stattfanden, wohl bedacht, seinen Missmut nicht zu offenkundig zur Schau zu stellen. Vielleicht hatte Hettore Gonzaga, Prinz von Guastalla und wichtigster Kunde Odoardos, in einem Gespräch mit seinem Lieblingsmaler Conti, der regelmäßiger Gast bei den Abendgesellschaften war, Galottis Charakter am trefflichsten beschrieben: ein alter Degen, stolz und rau, sonst bieder und gut.

 

            Es war Abend geworden. Früh setzte im Januar die Dunkelheit ein. Die beruhigenden Worte des Arztes hatten Galotti ein wenig zur Ruhe kommen lassen. Doch je öfter Galotti zum lieben Gott betete, desto deutlicher musste er sich eingestehen, dass Gottesfürchtigkeit nicht automatisch vor Unheil schützen würde. Zeige sich nicht gerade im Leid der Menschen die Liebe Gottes? Odoardo glaubte, sich an die Worte des Papstes Benedikt XIV. zu erinnern, obwohl er die Bedeutung nicht verstanden hatte, weil sie ihm widersprüchlich erschien. Welches Leid würde er noch ertragen müssen? Jedes siebte Kind wurde tot geboren. Wenn er Glück hatte, würde seine Frau Claudia die Geburt überleben. Odoardo wusste aber auch, dass viele Frauen nach der Geburt an einem schrecklichen Fieber erkrankten, das sie nach einem langen Todeskampf dahinraffte. Im schlimmsten Fall würde er also zwei geliebte Menschen verlieren. Er wäre wieder allein in dem großen Haus. Einsam und verlassen. Die laute Stimme der Hebamme, die nach dem medicus rief, riss ihn aus den düsteren Gedanken heraus.

 

„Signore Balderi! Kommen Sie schnell!“

 

Was hatte das zu bedeuten? Balderi sprang von seinem Stuhl auf und gab Odoardo, der im Begriff war, sich schnell aus dem Ohrensessel zu erheben, gleichzeitig das Zeichen, sitzen zu bleiben, um unnötige Unruhe zu vermeiden. Mit der braunen Ledertasche in der Hand huschte Balderi aus dem Wohnzimmer. Für Odoardo blieb nichts anderes übrig, als die nächsten Minuten, wenn nicht gar Stunden, tapfer zu ertragen.

 

            Das Schlafgemach Claudia Galottis bot ein Bild des Grauens. Doch bei näherer Betrachtung waren es nur die blutbesudelten Betttücher und der blutende Unterleib, aus dem in diesem Augenblick ein kleiner klebriger Klumpen von einem haarigen Kopf hervorlugte, der die bevorstehende Niederkunft des ersten Kindes Odoardo Galottis ankündigte.

 

„Halten Sie ihre Arme fest“, sagte Frau Scuderi, dabei Balderi fest ins Gesicht schauend, „sie darf ihren Körper trotz ihrer Schmerzen nicht hin- und herdrehen.“

 

Claudias Schreie wurde lauter und vermischten sich mit den aufmunternden Worten der Hebamme.

 

„Pressen Sie! Pressen Sie! Ich kann den kleinen Kopf schon sehen.“

 

 Ihr Gesicht von den Wehenschmerzen grausam gezeichnet, heftig stöhnend, glaubte Claudia Galotti in diesem Moment, sterben zu müssen. Doch einem Mutterinstinkt folgend presste sie ihren geschundenen Unterleib so lange, bis sie beim ersten ohrenbetäubenden Protest ihres schreienden Babys in ein erleichtertes Lachen verfiel, das mit Freudentränen in ihren Augen begleitet wurde. So erblickteEmilia Galotti am frühen Abend des 13. Januars 1753 das Licht der Welt.


Eine Wolke ist unantastbar. Unerreichbar. Niemand kann eine Wolke schlagen oder verletzen. Wenn ich es könnte, würde ich zu den Wolken aufsteigen, eine von ihnen werden, würde mit meinen Freunden über Indien hinweg bis nach Südostasien wandern. Nur weg von hier. Immerschneller, immer weiter weg von hier. Sie würden mich tragen bis in meine Heimat, wo die Luft so warm und weich wie Weihrauch ist..

(Auszug aus: Wenn Wolken Wandern)

Ich beobachtete die weißen Wolkenberge, so weiß wie Schnee, wie sie sich in immer größeren und zerklüfteteren Formationen zusammenstauten und erhaben an meinem Fenster vorbeizogen, ab und zu einen Blick durch mein Fenster werfend, um sicher zu gehen, dass ich noch lebte. Ich wünschte mir erneut,  eine von ihnen zu sein. Doch ich würde meine Farbe ändern. Ich würde mich zu einer dunklen, schwarzen Wolkenwand verwandeln, vor deren Anblick meine Mutter erschauern und um Gnade winseln würde. Dann würde ich sie mit einer Regenflut biblischen Ausmaßes überschütten, die alles, aber auch wirklich alles wegschwemmen würde. Ich sehe meine Mutter, wie sie in dem tosenden Wasserstrudel, vergeblich meinen Namen um Hilfe rufend, in einer rotierenden Bewegung langsam in dem Sog versinkt. (Auszug aus: Wenn Wolken Wandern)

 

 Wenn Wolken Wandern

Erzählt wird das herzzerreißende und mitleiderregende Schicksal einer jungen Prostituierten aus den Philippinen.In einer atmosphärisch dichten und psychologisch nachvollziehbaren Erzählweise wird ihr Werdegang, der von fehlender Mutterliebe und häuslicher Gewalt geprägt ist, geschildert. Doch am Ende strahlt ein Hoffnungsschimmer, einem goldenen Sonnenstrahl gleich, durch die dunklen Wolken ihrer geschundenen Seele.

 

260 Seiten

 

Kindle direct publishing 8,45 EUR

ebook: 2,99 EUR

 

Twentysix 9,99 EUR 270 Seiten

Matchpoint

Matchpoint: Wir schreiben das Jahr 1985. Es ist das Jahr, in dem Boris Becker als erster Deutscher und jüngster Spieler aller Zeiten im Tennis die Nummer eins wird. In Bochum jedoch warten alle auf das Ende eines trägen Sommers. So auch Heinz Feuernagel, der 20-jährige Lehramtsstudent, der sein Anglistikstudium an der Bochumer Universität mehr schlecht als recht bewältigt und immer darauf hofft, schnell das große Geld  zu machen. Er ist großer Becker Fan, jobbt nebenbei in einer Eisdiele und wohnt bei seinem alkoholkranken, rechtsextremistischen Vater in einer traurigen Neubauwohnung. Trotz seiner lieben Freundin Luise und seinen lustigen Freunde muss Heinz einfach mal raus aus den Ruhrgebiet. Deshalb geht es für den Rest des Sommers in die USA nach Grand Rapids zum Arbeiten.
Doch natürlich ist auch in den USA nicht alles rosig. Die Arbeit in der Fabrik ist hart und Heinz' WG besteht aus zwei befreundeten  fundamental-christlichen Pärchen, bei denen bereits kleine Sünden wie der Genuss von Alkohol zu endlosen Grundsatzdiskussionen führen. Schon fast verzweifelt entdeckt Heinz, dass Helen, eines der Mädchen aus der Paarriege doch nicht so langweilig ist, wie es zunächst scheint. Auch sie liebt waghalsige Situationen, wilden Sex und ... Boris Becker. Als Heinz eine Affäre mit ihr beginnt, tritt er einen Skandal los. Und dann wird die Situation immer komplizierter: Luise erwartet ein Kind von Heinz und möchte, dass er sie heiratet. Doch als Heinz sich gerade zu diesem existenziellen Schritt entschlossen hat, kommt Helen nach Deutschland. Und auch sie hat erschütternde Neuigkeiten.
Ereignisreich, spannend und sehr humorvoll erzählt Carsten Freytag die Geschichte des skrupellosen Heinz Feuernagel, der mit allen Mitteln versucht, ein sorgenloses und erfülltes Leben zu führen. Durch die vielen unerwarteten Wendungen gewinnt der Roman schnell an Fahrt und fesselt die Leser bis zur letzten Seite. Dabei begeistert besonders die schonungslose Darstellung  von Heinz' misanthropischen Gedanken, die vor keinem moralischen Tabu innehalten. Die gnadenlose Idealisierung des jungen Boris Beckers tut ein Übriges, um den Lesern die eine oder andere Lachträne in die Augen zu treiben. So ist dem Autor ein überaus dichter und unterhaltsamer Roman im frech-poppigen Stil gelungen. Eine wirklich unterhaltsame und witzige Lektüre (Gutachterliche Stellungnahme des Frieling Verlags, 2009)

 


9,99 EUR/Amazon (333 Seiten)

Die Leiden des jungen Paul N'Dabe

Die Leiden des jungen Paul N'Dabe

Der Roman zur Flüchtlingskrise 2015 und zur Frage, warum Deutschland, warum wir in der Verantwortung stehen, politische Flüchtlinge aufzunehmen.

Erschienen: Kindle Direct Publishing, 2016

 

Amazon Rezension (5 Sterne) Kerstin Wiesner

Ich habe das Buch sehr gern gelesen, weil die Figuren schlüssig und anschaulich beschrieben werden. Auch das Thema Flucht bekommt hier eine Substanz, ist es doch oft verworren in unserem Kopf. Den Tschad musste ich mir erstmal auf der Karte suchen, umso erstaunlicher deren Reise.
Es scheint gerade ein Film rauszukommen, der exakt ähnliche Figuren (er heißt auch Paul) hat und auch um den Tschad spielt. Schade wäre es, wenn der Film gehypt wird und das Buch nicht.

 

 

Amazon Rezension: Joachim N. (4 Sterne)
Der Autor nimmt uns mit auf eine Reise in den Tschad und erzählt das Schicksal eines jungen Mannes, der nach erlittener Folter und Todesgefahr nach Deutschland flieht. Es ist ein Roman, der unter die Haut geht. Ein eindringlicher Appell an die Menschheit Flüchtlingen zu helfen, um Ihnen Schutz vor Verfolgungen zu gewähren.

 


 

Nutten Küssen Nicht (1996)

 

 

Rezenzion Amazon 5 Sterne

Groovy 2002:

Zugegeben: Der Titel ist ebenso brillant wie irreführend, suggeriert er doch, der Schwerpunkt
dieses Buches liege bei der ausgiebigen Schilderung von Bordellbesuchen. Unwillkürlich wittert
die beim Mann standardmäßig zur Grundausstattung gehörende Antenne für wollüstige Eskapaden
die drei großen P: Pornographie, Perversion, Puff. Genährt wird diese Vermutung durch den
Skandal, den das Buch bei seinem Erscheinen auslöste: Der Autor, Carsten Freytag, mußte
seinetwegen die katholische Schule verlassen, an der er unterrichtete.
Tatsächlich spielt das Rotlichtmilieu eine gewisse Rolle in dem autobiographisch geprägten Roman
um einen Lehrer, der in einem gottverlassenen englischen Nest namens Gravesend
Deutschunterricht erteilt und sich gelegentlich mit Prostituierten über seine Einsamkeit
hinwegtröstet. Trotz solcher Ausflüge in die sogenannte Halbwelt wäre es jedoch grotesk, den
Schwerpunkt des Buches augerechnet darin sehen zu wollen. Allerdings eigneten sich die
gelegentlich recht derben Schilderungen bestens dazu, Unbehagen beim Arbeitgeber des
Verfassers auszulösen und schließlich seinen Rauswurf zu provozieren; die hemmungslose
Bigotterie des Christentums, die jegliche vorstellbare Amoralität und erst recht das bescheidene
Sündenregister des Verfassers bei weitem übertrifft, ist ja zur Genüge bekannt.
In Wahrheit handelt es sich hinter der rauhen Fassade um ein eher zartes Buch, das die tiefe
Verzweiflung eines bis ins Mark vereinsamten Menschen sowie seine überwältigenden
Selbstzweifel thematisiert. Er trauert den Fehlentscheidungen nach, die er im Leben getroffen hat,
und auch das kurze Glück, das er in Gravesend zunächst in den Armen einer Mitbewohnerin und
schließlich mit einer neunzehnjährigen Schülerin erlebt, ist von vornherein zum Scheitern
verurteilt.
Am Ende des Buches fragt man sich ernsthaft, weshalb um alles in der Welt es dem Verfasser
einen Schulverweis eintrug. Man kommt nicht umhin, diese Entscheidung um so grotesker zu
finden, je mehr man das Buch Revue passieren läßt. Im Grunde genommen jedoch sollte sie nicht
wundernehmen, ja sie ist geradezu ein Klassiker: Die klerikalen Moralapostel, über deren eigene
Ausschweifungen wir im Stile des ach so Heiligen Vaters besser den Mantel des Schweigens
breiten wollen, haben sich ganz offensichtlich an einigen wenigen (zudem eher untypischen)
Szenen hochgezogen und die EIGENTLICHE Aussage des Romans entweder reinweg mißachtet,
sich gar nicht erst darum bemüht oder sie schlicht vor lauter sabbernder Spießergeilheit nicht
verstanden. Anders ist ihr Verhalten beim besten Willen nicht zu erklären.
Was man dem Roman allenfalls vorwerfen könnte, sind also keineswegs moralische, sondern eher
die gelegentlich auftretenden sprachlichen und literarischen Mängel. Nicht von ungefähr ist es ja
zunächst bei Frieling erschienen. Allerdings sind diese Mängel zu vernachlässigen und heutzutage
wohl eher üblich als bemerkenswert.
Alles in allem kann ich dem Buch seinen großen Unterhaltungswert jedenfalls nicht absprechen und
attestiere ihm gern, daß es mich in keiner einzigen Sekunde gelangweilt hat, was man wahrhaftig
nicht von allen Druckerzeugnissen und schon gar nicht von denen unserer heiligen literarischen
Ikonen behaupten kann. Populär gesagt: Wer beim "Butt" nicht einpennt, muß ein Ding an der
Waffel haben! "Nutten küssen nicht" konnte mich hingegen nicht für einen einzigen Augenblick ins
Wachkoma versetzen, ganz im Gegenteil! Zuletzt ist dieses Kunststück Rainer Maria Ringer und
Dieter Bohlen gelungen. Mögen jetzt auch manche die Nase rümpfen, so gebe ich doch freimütig
zu, daß ich mich lieber von angeblich zweitrangigen Autoren gut unterhalten als von sogenannten
erstklassigen in Grund und Boden langweilen lasse! Aus diesem Grunde: Höchste Punktzahl für
"Nutten küssen nicht"!

Das Tagebuch des Lehrers Anton Priuli (2017)

Studienrat Anton Priuli ist alleinerziehender Vater von zwei Söhnen und hat nicht nur mit dem Scheitern seiner Ehe und den daraus resultierenden Einbruch seines hart erarbeiteten Wohlstands zu kämpfen, sondern auch mit den verschlechterten Bedingungen eines Studienrats an einer Berufsschule. Überhaupt fühlt er sich von dem Schulleiter verheizt, der ihn besonders in Klassen der berufsvorbereitenden Maßnahmen einsetzt, wo schwer erziehbare Schüler ohne jeglichen Schulabschluss zu einer schulischen Qualifikation herangeführt werden sollen. Nur mittels einer äußerst pragmatischen Haltung gegenüber der Schulfront ist es dem Lehrer Priuli gegeben, seinen Dienst, ohne tiefere seelische Narben davonzutragen, zu versehen.

 

Erschienen: Kindle Direct Publishing 2017

 

 

Die Macht der Liebe (2018)

Thomas Zeltner schließt sich einer Neonazigruppe an, weil er zu Hause keine Geborgenheit erhält. Sein Vater, dem Alkohol verfallen, hasst seinen Sohn und verprügelt ihn, sooft der Vater es für notwendig erachtet. Nach einer Verhaftung als Folge einer Prügelei im Dortmunder Westfalenstadion, bei der Thomas einen Schalkefan  schwer verletzt, muss Thomas das Elternhaus verlassen. Seine Mutter kann ihm auch nicht helfen, das sie auf Grund ihrer beruflichen Belastung wenig Zeit für ihren Sohn  hat.

In einer WG wohnt Thomas mit rechten Gesinnungsgenossen zusammen und rutscht tiefer in die rechte Szene hinab.

Doch es gibt Hoffnung. In einer Disco lernt Thomas Susanne Albrecht kennen. Er verliebt sich in sie. Plötzlich scheint sich ein Weg zu öffnen, aus der rechten Szene auszubrechen.

 

Neu erschienen: Kindle Direct Publishing 2018

My California Girl (1996)

 

Michael Pichalski aus Dortmund fliegt zu einem vierwöchigen Sprachferienkurs mit einer Schülergruppe nach Kalifornien, an die heißeseten Beaches der westlichen Hemsisphäre - denkt er. Der flippige, leicht chaotische Zwanzigjährige hegt hochgespannte Erwartungen: endlich weg von zu Hause, vom Schulmief, von der problematischen Freundin. Endlich Urlaub im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.  Doch die Wirklichkeit ist anders als in Hollywood-Filmen, High-School- Fernsehserien und MTV-Videos: Der Sprachunterricht ist nervig, die Sightseeing-Ausflüge sind desorganisiert, die Schülergruppe besteht aus einem Haufen von Langeweilern oder überdrehten Weibern. Statt an palmengesäumten Ozeanstränden landet die Gruppe in einem staubigen Wüstenkaff. Ungeahnte Überraschungen auch in der Gastfamilie, in der Pichalski untergebracht ist: der Vater arbeitslos, Alkoholiker und gewalttätig, die Mutter eine sexbesessene Schlampe, die Söhne dumpfe Stubenhocker. Außerdem ist da noch Melissa, die Stieftochter, und die hat echte Probleme, wie Pichalski nach einiger Zeit mitbekommt. Im Strudel der Ereignisse, in die Pichalski mit hineingerissen wird, verbessert sich nicht nur so ganz nebenbei sein Englisch; der Große Chaot lernt auch, sozusagen im Crash-Kurs, was es heißt, Verantwortung für einen anderen Menschen zu übernehmen.